50 Jahre Heimatverein Milspe (Abschrift Heimatbrief 1999)
 

Eine kleine Gruppe heimatbewusster Frauen und Männer des Ennepetaler Stadtteils Milspe gründete am 1.April 1949 in der Wohnung eines Heimatfreundes den Heimatverein Ennepetal-Milspe.

Die aktivsten Initiatoren waren der Hilfsschullehrer August Bartz und Landrat Otto Hühn. Sie erreichten mit Beharrlichkeit die Gründung unseres Vereins.

Man erarbeitete eine Satzung, die in den wesentlichen Punkten bis heute unverändert bleiben konnte. Bemerkenswert ist, dass die Gründer schon damals den Umweltschutz in die Satzung aufnahmen. Neben den anderen Zielen der Vereinsaktivitäten wie die Erforschung der Ortsgeschichte, die Pflege der heimatlichen Sitten und Bräuche wie auch der heimischen Mundart ist der Umweltschutz heute noch wichtiger als er sich vor 50 Jahren den Vereinsgründern darstellte.

In den ersten Jahren dieses Neubeginns taten sich die Heimatfreunde jedoch mit der Fortentwicklung des Vereins sehr schwer. Es fehlte an Mitteln und Hilfen, die eine effektive Vereinsarbeit hätten ermöglichen können.

Trotzdem wurde kontinuierlich der heimatliche Gedanke wachgehalten. Man kam aber über kleine Veranstaltungen, bei denen oftmals nur die Vorträge auswärtiger Heimatfreunde, den Hauptprogrammpunkt darstellten, nicht hinaus.

Erst 1956 sollte das anders werden. In den ersten Aktionen des neugewählten Vorstandes unter der bewährten Leitung von Otto Hühn konnte der erste Wandkalender an 40 im Ausland lebende Ennepetaler verschickt verschickt werden. Danach erstellte man noch in den 50er Jahren eine Farbdiareihe mit Motiven aus dem Ennepe- und Heilenbeckertal, die auch heute noch gelegentlich vorgeführt wird.

Als am 18. Mai 1960 Landrat Otto Hühn verstarb, hinterließ er eine für den Verein schmerzliche Lücke. Für eine kurze Übergangszeit übernahm dann Hans Uies das Amt des 1. Vorsitzenden. Zwei Jahre später wählte man unseren unvergessenen Heimatfreund Eugen Engels zum Chef des Milsper Heimatvereins. In diesem Amt wirkte er 25 Jahre. Für sein unermüdliches Schaffen wurde ihm 1989 das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Die Aktivitäten wurden nun merklich intensiviert. Schon 1962 brachte der Heimatverein Milspe einen eigenen Heimatbrief heraus. Wie sich aber herausstellte, überstieg das die finanziellen Möglichkeiten des Vereins. Deshalb ging der Heimatbrief als "Ennepetaler Heimatbrief" in die Regie des Heimatbundes Ennepetal über. Er hat bis heute eine Auflage von 2600 Stück. Den Druck und Versand an ehemalige Bürger unserer Stadt übernahm die Stadt und sicherte damit die jährliche Ausgabe des "Ennepetaler Heimatbriefes" bis zum heutigen Tage.

Die Heimatabende des Vereins bekamen infolge der Aktivitäten als da sind mundartliche Vorträge von Vereinsmitgliedern verfasst und vorgetragen einen derartigen Zuspruch, dass unser Vereinslokal der Gasthof "Zur Post" die Teilnehmer nicht mehr fasste und wir ins "Haus Ennepetal" überwechseln mussten. Im November 1987 trat Eugen Engels aus

 


Bild: 1999 Vorstands-Foto
Sitzend von links: Günter Schröder, Hildegard Brand, Wilhelm Hollkott, Albert Brand.
Stehens von links: Richard Mietz, ?, Hans Theodor Bicking, Erich Rabe, Karl Heinz Gockel, Friedrich Werz

 

Altersgründen zurück. Man wählte Wilhelm Hollkott, der durch seine mundartlichen Vorträge im Verein bekannt geworden war, zum Nachfolger. Damit begann im Heimatverein eine Ära, in der "dat Iämpeströter Platt" einen wesentlichen Teil der Vereinsarbeit ausmachte. An den Heimatabenden wurden nicht nur plattdeutsche Geschichten und Gedichte vorgetragen, sondern seit 1992 auch Sketche und Kurzspiele die sich u. a. auch mit Ennepetaler Themen in unseren heimischen Mundart befassten.

Die Vereinseigen Theatergruppe, der auch fünf Jugendliche angehören, bringt die hauptsächlich von Vereinsmitgliedern geschriebenen Stücke zur Aufführung. Diese gutankommenden Beiträge führten zum weiteren Anstieg der Teilnehmerzahlen. Ein Vertreter der Presse meinte nach einem der Abende: "Was sie da heute auf die Bühne gebracht haben können und dürfen sie der Öffentlichkeit nicht vorenthalten, wie wäre es mit öffentlichen Theaterabenden in Platt?" Die Theaterabende in plattdeutscher Sprache sind seitdem ein fester Bestandteil des Ennepetaler Kulturlebens die zum Mitmachen motivieren wollen. Unser letzter Theaterabend 1998 bescherte uns 550 Besucher. 1992 und 1996 gab der Verein eine plattdeutsche Broschüre heraus, die gut verkauft wurde. Im Jubiläumsjahr konnten die Milsper Heimatfreunde in Eigenarbeit einen Bildband "Milspe in alten und neuen Ansichten" herausgeben. Er stellt eine Krönung der heimatgeschichtlichen Arbeit zum 50jährigen Jubiläum dar. Bereits nach knapp 2 Wochen waren die 650 aufgelegten Exemplare bereits vergriffen. Es würde den Rahmen sprengen, wenn hier alle Aktivitäten angeführt würden.

Am 27. November 1999 feierte der Verein im großen Saal im "Haus Ennepetal" mit einem Festheimatabend sein 50jähriges Bestehen. Der Abend wurde zu einem Erlebnis.


Wilhelm Hollkott