31. Ausgabe der Ennepetaler Forschungen veröffentlicht

03.11.2017 10:34

Es sind vor allem die ganz persönlichen Schilderungen, die die neue Ausgabe der Ennepetaler Forschungen zu ganz besonderem Lesestoff machen. Sechs Beiträge über vergangene Zeiten, die bis heute nachwirken, Themen, die die Ennepetaler bewegten, und von den Autoren des Arbeitskreises Stadtgeschichte lebendig, vor allem auch eindringlich in Erinnerung gerufen werden.

„Das Haus Wilhelmstraße 48 in Voerde: Hinter diesem Titel verbirgt sich viel mehr als die Geschichte der Villa Bilstein, die am 24. Januar 1906 ihren Anfang nahm. An diesem Tag wurde Ferdinand Bilstein die Erlaubnis erteilt, auf dem Grundstück ein Wohnhaus zu erreichten. Nach vielen Zahlen, Fakten und Daten lässt die Autorin Irene Rumpler Hans Carl Ferdinand Bilstein zu Wort kommen. Er beschreibt in seinen Tagebüchern, wie Voerde bis zum 6. Mai 1945 restlos geräumt werden musste – „ab der katholischen Kirche bis Ziegelei Vollmann, einschließlich Brabantstall und Brabant, Alter Hoefinghoff bis Neuenloh und bis Haus Grete“, wie im Tagebuch zu lesen ist.

Lange Beiträge und kurze Texte

Besatzungsmächte räumten Voerde für die Zwangsarbeiter. Bilstein ermöglicht einen ganz intimen Eindruck darüber, wie die Menschen damit umgingen, ihr Zuhause zu verlassen und wie sie versuchten, ihr Hab und Gut in Sicherheit zu bringen.

„Wo war der Lohmannshof?“ Dieser Frage ging Karl-Heinz Giesick nach. Er fand aber nicht nur heraus, dass sich dieser am heutigen VER-Depot befand und einer der ältesten Höfe der Stadt war. Er erarbeitete auch einen Stammbaum, der bis ins 16. Jahrhundert zurück führt und aufzeigt, „dass die Unternehmerfamilien Altenloh, Peddinghaus, Bilstein und Hesterberg alle irgendwie miteinander verwandt sind“, sagt Hans Hermann Pöpsel.

Der erste Vorsitzende des Arbeitskreises Stadtgeschichte hat auch in der aktuellen 31. Auflage einen Text beigesteuert – der Titel: Damals 1907: Die Straßenbahn 11. „Die Bahn durchquerte eine der schönsten Landschaften Deutschlands“, sagt Pöpsel. Sie startete erst in Hagen, später von Haspe aus, fuhr durch Voerde und Oberbauer bis nach Breckerfeld. 1907 wurde die Kleinbahnstrecke zwischen Voerde und Breckerfeld für den Personennahverkehr freigegeben, am 2. November 1963 der Straßenverkehr ganz eingestellt. Auf der ehemaligen Trasse ist mittlerweile ein Wanderweg.

Das Haus der Begegnung in Voerde – steht zwar im Mittelpunkt der geschichtlichen Aufarbeitung von Karl-Heinz Giesick, was die wenigsten wissen: Früher gab es ein Haus der Begegnung auch in der Innenstadt, dort, wo heute der Marktplatz ist. Sie wurde 1957 im Pförtnerhaus der ehemaligen Wirth’schen Fabrik ermöglicht. Giesick zitiert aus einem Heimatbrief aus dem Jahre 1963: „Das Haus der Begegnung (...) ist nicht mehr fortzudenken. Es ist für unsere Alten eine beliebte Zufluchtsstätte gegen Wind und Wetter.“ Das Haus sei aber auch von unterschiedlichen Jugendgruppen genutzt wurden, erklärt Giesick. Ende der 70er Jahre wurde es abgerissen und Platz – unter anderem für das Kaufhaus – geschaffen. Und vielleicht wird es an selber Stelle ja wieder einen Treffpunkt geben, sagt Pöpsel und bezieht sich auf die Überlegungen, die Stadtbücherei im ehemaligen Ringkaufhaus unterzubringen, wenn das Haus Ennepetal abgerissen und neu aufgebaut wird.

Weniger Forschungsgeschichte, um so mehr einen persönlicher Einblick in das Leben und Arbeiten am Timpen gibt Ingrid Windmöller. Die Erlebnisse schildert sie aus erster Hand, mit ihrer Familie lebte sie in der Kirchstraße, im nahen Umkreis des „Bügeleisenhauses“, an der Kreuzung Heilenbecker-/Kölner Straße, das das Zentrum des Timpens ausmacht. Sie schreibt: „Hier entwickelte sich ein eine Art eigenständiges Leben, das seinen dörflichen Charakter lange Zeit bewahren konnte.“ Alles begann mit dem Bau des Hammerwerks an der Kölner Straße im Jahr 1770, erster Besitzer war Michael Heilenbeck.

„Damals 1912: Der Rönsel“ befasst sich mit der ehemaligen Ausflugsstätte zwischen Haspe und Voerde – mit Blick nach Rüggeberg und zum Harkortturm. Ihre Geschichte führt nach Recherchen von Karl-Heinz Giesick zurück bis ins Jahr 1763. Heute sind nur noch Streuobstwiesen zu finden. Als Wanderziel ist der Rönsel nach wie vor beliebt.


Text aus WR vom 03.11.2017 (Carmen Tomaschewski)

 Foto aus WR vom 03.11.2017.