Friedel Hillner wird Ehrennachtwächterin in Voerde

11.05.2017 10:23

Zum zweiten Mal in der Geschichte der Symbolfigur der Voerder Kirmes wird eine Frau das höchste Amt im Dorf bekleiden. Friedel Hillner wurde am Dienstagabend von den Blaukittelträgern und Vertretern der Voerder Vereine zur Ehrennachtwächterin 2017 gewählt.

„Friedel Hillner erhält diese Auszeichnung für ihr großes Engagement für das Brauchtum und die plattdeutsche Sprache“, begründet der Vorstand des Heimatvereins Voerde die Wahl. So halte sie nicht nur plattdeutsche Vorträge, unter anderem beim Voerder Heimatabend, sondern auch bei vielen anderen Veranstaltungen. Seit mehr als sieben Jahren gebe sie auch plattdeutschen Unterricht in den jeweiligen vierten Klassen der Grundschule Altenvoerde, dessen Abschluss immer ein viel beachteter Auftritt beim Voerder Heimatabend sei.

Einsatz für plattdeutsche Sprache

Auch im Voerder Heimatblättchen seien ihre plattdeutschen Beiträge zu finden. „Ganz nebenbei betreut Friedel Hillner schon seit 20 Jahren an jedem Montag die Bewohner des Hauses Elisabeth“, heißt es in der Begründung weiter. Unterstützt werde sie dabei von ihrem Ehemann Wolfgang.

„Nach Helga Busse 1998, war es lange überfällig, mit Friedel Hillner wieder einer Frau zur Voerder Ehrennachtwächterin zu wählen“, meint der Heimatvereinsvorstand. Hillner ist die 32. Persönlichkeit, die das Amt bekleiden wird.

„Ich bin ganz ergriffen“, sagt die neue Würdenträgerin im Gespräch mit dieser Zeitung. Nachdem sie vor einiger Zeit gefragt wurde, ob sie sich vorstellen könnte, Ehrennachtwächterin zu werden, habe sie sich zunächst Bedenkzeit erbeten. „Ich bin ja auch nicht mehr die Jüngste“, meint die 81-Jährige. Nicht zuletzt habe sie mit ihrem Mann Wolfgang gesprochen, mit dem sie seit 1955 verheiratet ist. Nach einigen schlaflosen Nächten und dem Zuspruch ihren Mannes habe sich schließlich die Erkenntnis durchgesetzt, dass sie die große Ehre, mit der ihr Engagement für die Heimat gewürdigt wird, nicht abschlagen könne. Sie sagte zu.

Am Dienstagabend, als die Vereinsvertreter und Blaukittelträger tagten, war Friedel Hillner zufällig auch in der „Rosine“. „Einmal im Jahr treffe ich mich mit ehemaligen Arbeitskollegen und deren Partnern“, erzählt sie. Die gelernte Einzelhandelskauffrau, die unter anderem im „Konsum“ in Voerde arbeitete, später auch in einer Metzgerei in Wuppertal, wurde dann nach erfolgter Wahl in die Versammlung gerufen. „Ich bin ja gewohnt, vor vielen Menschen aufzutreten“, meint sie, „aber da schlug mein Herz schon höher.“

Friedel Hillner, geborene Heringhaus, ist ein waschechtes Voerder Kind – genauer gesagt ein „Altenvoerder Kind“. In der damaligen Friedrichstraße – heute Friedrich-Asbeck-Straße – ist sie geboren und aufgewachsen. Sie sei mit Ennepe-Wasser getauft, betont sie. Ihr Vater, selbst ein echter „Iämpedaler“, habe es damals von der Esbecke, an der der Fluss damals noch zugänglich war, geholt.

Mit ihrem Mann Wolfgang, der aus Breslau stammt und 1951 als Vetriebener nach Ennepetal kam, wohnt Friedel Hillner seit 1959 im Eigenheim am Friemannweg. Drei Kinder haben die beiden, mittlerweile gehören vier Enkel und drei Urenkel zur Familie. Und alle leben rund um den Voerder Kirchturm. Nur die älteste Tochter wohnt inzwischen in Milspe.

Der ersten Frau im Amt, Helga Busse, folgt Friedel Hillner als zweite Frau im Ehrennachtwächteramt nun schon zum zweiten Mal bei einer Aufgabe nach. Helga Busse hatte nämlich beim Bürgermeister-Empfang zu Ehren des Voerder Ehrennachtwächters immer etwas „op Platt“ vorgetragen.

Blaukittel wird noch geschneidert

Nachdem ihre Gesundheit nicht mehr so mitspielte, hatte sie Friedel Hillner gefragt, ob sie das nicht übernehmen wolle. Und so liefert die Friedel Hillner seitdem in jedem Jahr einen Beitrag für den Amtsinhaber. Da sie das diesmal für sich selbst schlecht machen kann, werden die Damen, mit denen sie sonst für den Empfang sowie die Heimatnachmittag in Milspe und Voerde Sketche einstudiert, einspringen.

Ein wenig Vorbereitung auf ihr Amt ist für Friedel Hillner in den kommenden Wochen schon noch nötig. „Ich muss mir noch einen blauen Kittel machen lassen“, sagt sie schmunzelnd. Bisher habe sie immer lieber ihre private Kleidung zur Kirmes tragen wollen. Das gehe als Ehrennachtwächterin natürlich nicht, erklärt sie. „Dafür trage ich den Blaukittel dann aber auch sehr gerne.“

Text aus WR vom 11.05.2017 (Hartmut Breyer).

 Foto aus WR vom 11.05.2017.

 

Der Heimatverein  Ennepetal-Milspe e.V. gratuliert Friedel Hillner zu ihrem Ehrenamt und bedankt sich auf diesem Wege für die bisherige und zukünftige Zusammenarbeit.