Haus der offenen Tür im Stadtarchiv am 13.05.2017

16.05.2017 09:51

 

Heimatverein Ennepetal-Milspe e.V. initiierte „Haus der offenen Tür“ im Stadtarchiv an der Kirchstraße. Nutzer des Hauses präsentierten gemeinsam sich und ihre Arbeit.

 

 „Heimat muss man sich selbst aktiv zu Eigen machen. Das gilt auch für die hier Geborenen. Heimat kann nur besitzen, wem etwas an ihr liegt!“ So ist es im Flyer des Heimatvereins Milspe zu lesen. Dass sich viele Menschen für Heimat interessieren, war am Samstag im Hause des Stadtarchivs im Hause Kirchstraße 52 zu erleben.

In der ehemaligen Krankenpflegeschule ist nicht nur das Gedächtnis der Stadt zu finden, hier ist auch der Heimatverein Milspe zu Hause. Der Bund der Vertriebenen hat dort seine Heimatstube und der Chor der SPD seine Probestätte. Auf Anregung von Karl-Heinz Gockel, 2. Vorsitzender des Heimatvereins Milspe, luden alle gemeinsam zum „Tag der offenen Tür“ ein.

Infostand der Bücherei

Es kamen noch mehr hinzu. Die Leiterin der Stadtbücherei, Eva Renner, war mit einem Stand vertreten und informierte über das große Medienangebot, und Lothar Kruse vom Arbeitskreis Stadtgeschichte präsentierte die vom Arbeitskreis herausgegebenen Bücher und die regelmäßigen Veröffentlichungen, die „Ennepetaler Forschungen“. Wem etwas in seiner Sammlung fehlte, der konnte noch ein Exemplar ergattern.

Gemütlich ging es auch zu. Als der Vorsitzende des Heimatvereins Milspe, Theo Bicking, und Marco Heimhard, der stellvertretende Leiter des Fachbereichs Bildung, Kultur und Sport, den „Tag der offenen Tür“ eröffneten, waren schon vertraute Klänge zu hören. Der Akkordeonist Schmiedel aus Leverkusen, der regelmäßig in der Heimatstube des Bundes der Vertriebenen bei den Ostpreußen zu Gast ist, musizierte. Theo Bicking sagte erklärend in seiner Begrüßung der vielen Gäste: „In Sammlungen und Archiven konzentriert sich das materielle und immaterielle Erbe der Menschheit. Die unterschiedlichen Institutionen haben den gesellschaftlichen, zum Teil sogar gesetzlichen Auftrag, die ihnen anvertrauten Objekte treuhänderisch zu bewahren und zu erhalten, zu erschließen und sie der Gesellschaft für unterschiedliche Zwecke zur Verfügung zu stellen!“ Nach diesen Worten ließ der SPD-Chor unter Leitung von Anke Gockel-Himmen zur Eröffnung das Steigerlied durch das zentrale Treppenhaus schallen.

Der heimische, preisgekrönte Filmer Horst Groth hatte gleich drei Streifen zur Auswahl und ein vollbesetztes „Kino“. Der Heimatverein zeigte seine historischen Fotos. So sah man unter anderem „Bähnkes Emil“, wie er noch in den 1960er Jahren mit Pferd und Wagen durch Milspe kurvte. Der 81-jährige Helmut Hiby blickte auf eine Szene vom Milsper Timpen. Dort ist er groß geworden und noch heute zu Hause. Nur den alten Teich, Brökings Hammer, den gibt es nicht mehr.

Die Vielfältigkeit des Begriffes Heimat war zu sehen und zu spüren. Beim Bund der Vertriebenen gab es nicht nur Kaffee und Kuchen, sondern auch Schriften über die erlebte Vertreibung und Bücher wie „Ostpreußen in Bildern“. Monika Gräf, die 2.Vorsitzende der Landsmannschaft Ostpreußen, hatte sie zur Verfügung gestellt. Wenige Meter weiter gab es Dokumente zur Vertreibung heute. Frauen aus dem Kongo und Togo, aus dem Bürgerkriegsland Syrien, aus Nigeria, aber auch aus Serbien waren auf Großfotos zu sehen. Im Text wurde das Schicksal dieser Menschen geschildert, die in Ennepetal Schutz suchen und vielleicht auch eine neue Heimat finden. Diese Ausstellung, die auch das Schicksal der Frauen dokumentiert, die am Ende des 2. Weltkrieges als Flüchtlinge in Ennepetal (damals Milspe-Voerde) unter den schwierigsten Verhältnissen aufgenommen wurden, verdeutlicht die bittere Erkenntnis, dass die Heimat auch heute nicht immer ein sicherer Ort ist und Menschen sie verlassen müssen, um zu überleben.

Einblicke in die Geschichte

Was alles in Ennepetal geschah, in guten und schlechten Zeiten, das bewahrt das Stadtarchiv. Archiv-Leiterin Frauke Blum führte durch die recht großzügigen Archivräume, ließ die Besucher in Fahnenschränke blicken und zeigte unter anderem die Fahne eines Bürger-Gesangvereins, den es schon seit Jahrzehnten nicht mehr gibt. Und wer sich umschaute, entdeckte auch zwei Emaille-Schilder: „Altenvoerder Zigarrenhaus“ und „30 Jahre Prümmers Eis“. Auch das sind Zeugnisse aus der Vergangenheit der Stadt, die für viele Menschen Heimat geworden ist.

 

Text aus WR vom 16.05.2017 (Hans-Jochem Schulte).

 

 Foto aus WR vom 16.05.2017