Haus Ennepetal soll abgerissen werden

17.05.2017 11:38

Das Haus Ennepetal wird abgerissen und durch zwei Neubauten – einen auf einem benachbarten Grundstück, der andere am bisherigen Standort – ersetzt. Auf etwa 26,5 Millionen Euro wird das Investitionsvolumen für das gesamte Projekt veranschlagt. Läuft alles nach Plan, könnte das Vorhaben 2023 abgeschlossen werden.

Gestern stellten Ennepetals Bürgermeisterin Imke Heymann und der Geschäftsführer der Kluterthöhle und Freizeit GmbH & Co. KG, Florian Englert, die Pläne unter dem Motto „Ein Platz zum Verweilen“ vor. Demnach wird der Teil des Hauses Ennepetal, der momentan das Mehrgenerationenhaus (MGH) mit Städtischem Kindergarten, Jugendzentrum und Stadtbücherei beheimatet, in einen Neubau an der Voerder Straße umsiedeln. Dieser Bau wird unter Regie der Stadtbetriebe errichtet. Geschätzte Kosten: etwa 11,5 Millionen Euro. Das Grundstück, das rückwärtig an das Haus-Ennepetal-Areal angrenzt, ist bereits im städtischen Eigentum. Der grobe Rahmenterminplan sieht vor, dass nach Planung und Genehmigung Anfang 2019 mit dem Neubau an der Voerder Straße 123 begonnen wird. Was mit dem aktuell genutzten Wohnhaus geschehe, müsse im Rahmen der Planung geklärt werden, betonte Imke Heymann. Ein Abriss müsse nicht zwingend erfolgen, das Gebäude könnte auch in die Nutzungen einbezogen werden oder als Wohnhaus bestehen bleiben.

Wenn das neue MGH voraussichtlich Anfang 2021 fertig gestellt und der Umzug erfolgt ist, wird das gesamte Haus Ennepetal abgerissen. An dieser Stelle soll dann bis etwa Anfang 2023 ein – kleineres – Veranstaltungszentrum entstehen, das mit einem Mehrzwecksaal, Seminarräumen und Büros ausgestattet ist. In diesem Fall wird der Bau unter Regie der Kluterthöhle und Freizeit GmbH & Co. KG entstehen, vorläufig geschätzte Kosten: 15 Millionen Euro. Die Detailplanung im Hinblick auf Gebäudegröße, Raumplanung und technische Ausstattung muss aber noch im Detail ausgearbeitet werden. Ein Gastronomiebereich wie im Haus Ennepetal ist nach derzeitigem Stand nicht vorgesehen.

1978 eröffnet

Seit vielen Jahren ist das 1978 eingeweihte Bürger- und Veranstaltungszentrum in der Diskussion. Ein erheblicher Investitionsstau sorgte für einen stetigen Substanzverlust, insbesondere die Tiefgarage entwickelte sich zu einem Angstraum, der nicht nur Frauen vom Besuch des Hauses abhielt. Die Technik ist nicht auf dem aktuellen Stand und die Funktionalität durch die verwinkelte Bauweise und den nur mit großem Aufwand anzudienenden Veranstaltungssaal in der oberen Etage stark eingeschränkt. Im Herbst 2014 hatte der CDU-Fraktionsvorsitzende Daniel Heymann einen Abriss des Hauses als eine zu prüfende Option ins Gespräch gebracht. Spätestens seitdem hing die Zukunft des Gebäudes in der Schwebe.

Im vergangenen Jahr hatte die Stadt eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Demnach würde eine Kernsanierung etwa 21 Millionen Euro kosten. „Dann hätten wir aber immer noch keine vernünftige Nutzung“, meint der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Kluterthöhle und Freizeit GmbH, SPD-Fraktionschef Volker Rauleff. Es gebe zu viele tote Räume und die Bereiche seien schlecht erreichbar.

Eine zweite Variante sah einen Neubau in getrennten Baukörpern auf dem bestehenden Grundstück vor. Die Kosten wurden mit 26 Millionen Euro veranschlagt. Nachteil: Das MGH hätte für einen längeren Zeitraum ausgelagert werden müssen – was eine größere Belastung der Betroffenen und höhere Zusatzkosten verursacht hätte.

„Wir haben uns jetzt auf eine Marschrichtung geeinigt“, zeigte sich Florian Englert erfreut. „Jetzt wird die Detailplanung Zug um Zug erfolgen.“ 

 

 

Grafik aus WR vom 17.05.2017.

 

Die Beteiligten aus Politik und Verwaltung sehen eine Reihe von Vorteilen darin, das Haus Ennepetal durch zwei räumlich voneinander getrennte, aber nah beieinander liegende Neubauten zu ersetzen.

Florian Englert, Geschäftsführer der Kluterthöhle und Freizeit GmbH, erklärte, dass man durch die Trennung von MGH und Veranstaltungszentrum die recht heterogene Nutzerstruktur auflöse und die beiden Neubauten jeweils „zielgruppenorientiert, bedarfsgerecht und praktikabel“ errichten könne.

Ennepegarten wird integriert

Ein weiterer Vorteil der nun gewählten Variante liege darin, dass die Innenstadt „durch eine attraktive Neugestaltung“ aufgewertet werden könne. Nicht zuletzt soll auch zwischen den beiden Bauteilen der Ennepegarten angelegt werden. Für dieses Projekt sind bereits im Rahmen des Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK, vormals Integriertes Handlungskonzept) Fördermittel bewilligt. Die Maßnahme war aufgrund der noch ungeklärten Zukunft des Hauses Ennepetal aber zunächst zurückgestellt worden. Die Neugestaltung soll nicht zuletzt auch eine Öffnung des Geländes hin zur Kluterthöhle mit sich bringen.

Pkw-Stellplätze sollen übrigens außerhalb des Gebäudes angelegt werden und nicht wieder in einer Tiefgarage. „Die Zahl werden wir später ermitteln“, erklärte Florian Englert. Diese hänge von den bebauten Flächen und der Größe des Mehrzwecksaals ab.

Finanzielle Belastung verteilt

Das schrittweise Vorgehen mache es möglich, dass die finanzielle Belastung auf mehrere Jahre verteilt werden kann, betonten Florian Englert und Bürgermeisterin Imke Heymann. Auch die Möglichkeit, Fördermittel zu erhalten, solle ausgelotet werden. Beide legten Wert darauf, dass das Haus Ennepetal bis zum Abriss – nach momentanem Stand Anfang 2021 – vollständig in Betrieb bleiben werde. Das bedeute, dass Instandhaltungsmaßnahmen noch durchgeführt werden. Der Aufsichtsrat der Gesellschaft habe die Geschäftsführung aufgefordert, eine Liste der Maßnahmen aufzustellen. Darauf aufbauend solle dann jeweils entschieden werden, ob und in welchem Umfang man tätig werde.

„Wir wollen keine Kunden verlieren“, erklärt Imke Heymann. Allerdings werden nach erfolgtem Abriss zwei Jahre lang in dem Bereich keine Veranstaltungen stattfinden können, bis das neue Veranstaltungszentrum fertig gestellt ist. In dieser Zeit wolle man Interessenten möglichst andere Räumlichkeiten anbieten, so die Bürgermeisterin und Florian Englert. Das könnten die Aula des Reichenbach-Gymnasiums und das Industriemuseum sein. Imke Heymann will in dieser Frage auch die Zusammenarbeit mit den Nachbarstädten forcieren. Und Volker Rauleff wies auf den Mehrzwecksaal in Hasperbach hin, der für die eine oder andere Veranstaltung geeignet sei.

 

Auch wenn noch viele Punkte zu besprechen seien, sei es wichtig, das Vorhaben rund um das Haus Ennepetal jetzt zu kommunizieren, meinte Florian Englert. Das Damoklesschwert habe ja bereits etwas länger über dem Haus geschwebt. Volker Rauleff hofft auf Einigkeit in der Politik: „Es ist wichtig, dass das Ganze jetzt nicht im politischen Streit zerredet wird“, erklärte der SPD-Fraktionschef. Ihr sei bewusst, dass es sich um ein emotionales Thema handele, meinte Imke Heymann abschließend. Darum habe man das Vorhaben auch unter den auf Emotion setzenden Titel „Ein Platz zum Verweilen“ gestellt.

 

Texte aus WR vom 17.05.2017 (Hartmut Breyer).