Hinweistafel an Grabstelle auf dem Milsper Friedhof aufgestellt

11.09.2017 14:24

Zu einem Fototermin zur Präsentation einer neuen Hinweistafel trafen sich am 11. September Bürgermeisterin Imke Heymann und Vorstandsmitglieder des Heimatverein Ennepetal-Milspe e.V. auf dem unteren Teil des Milsper Friedhofes.

Dort befindet sich ein Grabmal von zwei jungen Männern aus Milspe, die während des Kapp-Putsches am 19. März 1920 in Remscheid erschossen wurden.

Damit die damaligen Ereignisse in unserer Region sowie die beteiligten heimischen Personen nicht in Vergessenheit geraten, hatte der Heimatverein Ennepetal-Milspe e.V. in Absprache mit der Friedhofsverwaltung die Fa. WAW Wieberneit beauftragt, die Hinweistafel anzufertigen und an der Grabstelle aufzustellen.

Der Text stammt von dem bekannte Heimatforscher Hans Hermann Pöpsel, der die Nutzung seines bereits 2012  veröffentlichen Textes in gekürzter Fassung freundlicherweise genehmigte.

Die Friedhofsverwaltung befreite die Grabstelle von Wildwuchs und wertete das Gelände darum optisch wieder auf.

Der Heimatverein Ennepetal-Milspe e.V. bedankte sich bei Bürgermeisterin Imke Heymann für die Unterstützung seitens der Stadt bei der Umsetzung des Projektes.

(von li. nach re.: Hans Gerhard Bangert, Gernot Klein, Imke Heymann, Bernd Lettermann, Karl-Heinz Gockel, Klaus Rüggeberg)
Foto: Hans-Jochem Schulte
 

Auf der Hinweistafel ist folgender Text zu lesen:

Eineinhalb Jahre nach Ende des 1. Weltkrieges und Ausrufung der ersten Deutschen Republik wagten rechtsnationale Gegner einen bewaffneten Aufstand. Zitat aus Wikipedia: „Der Kapp-Lüttwitz-Putsch oder Kapp-Putsch vom 13. März 1920 war ein nach fünf Tagen gescheiterter Putschversuch gegen die Weimarer Republik, der von Wolfgang Kapp und Walther von Lüttwitz mit Unterstützung von Erich Ludendorff angeführt wurde. Er brachte das republikanische Deutsche Reich an den Rand eines Bürgerkrieges und zwang die Reichsregierung zur Flucht aus Berlin. Die meisten Putschisten waren aktive Reichswehrangehörige oder ehemalige Angehörige der alten Armee und Marine, insbesondere der Marine-Brigade Ehrhardt, sowie Mitglieder der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP).“

Gegen diesen Kapp-Putsch gab es vor allem im Rhein-Ruhr-Raum sofort bewaffneten Widerstand. Bei Kämpfen am Bahnhof in Wetter kamen mehrere Männer ums Leben, und auch bei Remscheid forderten Schusswechsel Todesopfer.

Unter anderem wurden zwei 20-jährige Männer aus Milspe erschossen. Der Milsper Gemeinderat beschloss, sie am  Ehrenmal auf der Hardt zu bestatten. Als 1933 den Nationalsozialisten die Macht übergeben wurde, ließen die örtlichen Parteigenossen die Überreste der beiden demokratischen Kämpfer ausgraben und am Rande des Gemeindefriedhofs wieder bestatten.

Dort wurde nach dem Ende der Diktatur das Doppelgrab vom Rat der nun entstandenen Stadt Ennepetal in die Pflege übernommen, und wer eine Spur der ersten Demokratie in Deutschland sehen will, der findet noch den Grabstein mit der Inschrift:

„In unvergesslicher Erinnerung.
Den Milsper Bürgern
Artur Klee, geb. 19. 8. 1899
Max Fuchs, geb. 27. 9. 1899.
In den Kämpfen bei Remscheid
am 19. März 1920 in Abwehr
der Reaktion für die Erhaltung der
Weimarer Republik für
Demokratie und Freiheit gefallen.“

Der Kapp-Putsch scheiterte übrigens, weil der Reichspräsident, die SPD-Minister in der Regierung, der Allgemein Deutsche Gewerkschaftsbund und der Deutsche Beamtenbund, später auch noch die Kommunisten zum Generalstreik aufgerufen hatten und dieser weitgehend befolgt wurde.

(Text mit freundlicher Genehmigung von Hans Hermann Pöpsel)

Heimatverein Ennepetal-Milspe e.V.

Beide Fotos: Klaus Rüggeberg