Jahreskonzert des Akkordeon-Orchesters im Haus Ennepetal

14.11.2017 10:45

Wo vor wenigen Tagen noch die Edelsteine aus aller Welt funkelten, verbreitete am Sonntag das Akkordeon-Orchester Ennepetal eine einzigartige Atmosphäre. „Let’s Dance“ hieß es. Unter diesem Motto stand das Jahreskonzert des Akkordeonorchesters, das im großen Saal des Hauses Ennepetal mit weit mehr als 400 Besuchern stattfand.

Die Musiker präsentierten eine breite Palette lateinamerikanischer Rhythmen, die für ein Akkordeonorchester eine besondere Herausforderung darstelle. Das Jugendtanzpaar Michele Mühlig und Dmitrij Golub (15 und 16 Jahre) vom „Wuppertaler Grün-Gold-Casino“, das zu den besten Jugendtanzpaaren Deutschlands gehört, bereicherten „Eine sensationelle Premiere für Tanzpaar, Akkordeon-Orchester und Publikum“, sagte Moderator Thomas Matt, der 2. Vorsitzende des Orchesters. Das habe es in der näheren und weiteren Umgebung noch nicht gegeben, dass ein professionelles Tanzpaar nach der Musik eines Akkordeonorchesters tanze. „Rhythmus und Exaktheit des Tanzpaares müssen hundertprozentig übereinstimmen.“

Lateinamerikanische Rhythmen

Von Cha-Cha-Cha und Jive über Pasodoble, Tango und Mambo bis hin zu Rumba und Samba gab es eine große musikalische Vielfalt. Viel Lebensfreude zauberte das Orchester in zweieinhalb Stunden. So konnte das Publikum die Rumba „Turna Surriento“ („Komm zurück nach Sorrent“) genießen, zu der Michele Mühlig und Dmitrij Golub tanzten. Das Stück beschreibt die wunderschöne Stadt Sorrent in Italien. Es sei von vielen bekannten Sängern interpretiert worden, Elvis Presley habe die populäre Melodie auch in seinem Lied „Surrender“ verarbeitet, erklärte Matt. „Für das Akkordeon angepasst hat es Frans Verhoeven, Dirigent unseres befreundeten Mandolinen-Clubs Divertimando aus Belgien.“

Stürmischen Beifall erhielt auch der Jive „Let’s Twist Again“, für den Chubby Checker 1962 den Grammy für die beste Rock & Roll-Aufnahme erhielt. Da kam „Bewegung“ in die Besucher, zumindest in deren Beine. Wie die Spirituose „feurig und heiß“ wurde „Tequila“ mit Sombreros und dem markanten Ausruf „Tequila!“ präsentiert. Zu den einzelnen Stücken wurden passende Bilder und Szenen auf eine Leinwand projiziert.

Holger Kunz sorgt für Schmunzeln

„Africa“, ein Lied der US-Rockband Toto, begeisterte ebenfalls. „Inspiriert wurde Toto-Keyboarder David Paich einstmals durch die Werbung von Unicef, in der hungernde Kinder in Afrika gezeigt wurden. Mit dem Lied wollte er Aufmerksamkeit für deren Schicksal erregen“, erklärte der Moderator. Die Original-Schallplatte sie nicht wie üblich rund gewesen, sondern mit den Konturen von Afrika.

Eröffnet wurde das Konzert mit „Take Five“, Titel eines legendären Jazz-Musikstücks des Dave-Brubeck-Quartetts. Dass das Konzert eine Höchstleistung darstellte, spürten die begeisterten Besucher im ausgebuchten Saal von Beginn an. Das Tanzpaar und die Musiker waren mit Herzblut dabei, wobei Dirigent Holger Kunz durch seine spaßige Art für Schmunzeln sorgte. Vor allen Dingen zu Beginn, als er ohne Notenblätter auf die Bühne trat. Der Solinger begleitete dann als Solosänger „Sway“ (Dean Martin) – und so sanft schwingend wie es das Stück beinhaltet bewegte sich Kunz auf der Bühne. Das Allroundtalent erhielt Riesenapplaus. Das Publikum spürte: Holger Kunz ist ein Entertainer, ein sympathischer, lustiger Dirigent. Und schon erklang eine musikalische Liebeserklärung, nämlich „You are the sunshine of my life“ von Stevie Wonder. Doch nach gleich danach kam auch schon die Eifersucht mit dem Tango „Jalousie“ ins Spiel.

„Espana cani“, eines der berühmtesten Stücke spanischer Musik, „Latin Meeting“, „Mambo No 5“ (Lou Bega), der Cha-Cha-Cha „A Night like this“ sowie „Karibik Trip Nr. 1“, ein Latin Samba: Das war ein Hochgenuss. Immer wieder ertönten Bravo-Rufe. Vorfreude auf den Frühling brachte „Tico Tico“ – der Ruf der Morgenammer.

16-jährige Marie Ritter spielt Klavier

Dann spielte zur Freude aller das jüngste Mitglied des Akkordeon-Orchesters, die 16-jährige Marie Ritter, die kürzlich beim Wettbewerb in Frankfurt den zweiten Platz belegte, das Klavierstück „Say you won’t let go“ von James Arthur.

Zum Abschluss gab es dann das Sahnehäubchen: Mit beeindrucken Rhythmen wurden die Besucher mitgenommen an die Copacabana – und dazu sprang das Wuppertaler Tanzpaar von der Bühne und wirbelte durch den Saal. „Es war ein Genuss, Ihnen zuzusehen“, bemerkte Thomas Matt, der allen Beteiligten dankte, unter anderem dem 1. Vorsitzenden Jürgen Schöneberg. Beschwingt und fast „tänzelnd“ traten die Besucher ihren Heimweg an.

Text aus WR vom 14.11.2017 (Angelika Trapp).

 Bilder aus WR vom 14.11.2017.