Sportvereine sprechen über Sparpläne der Stadt

05.04.2017 11:56

Schon in wenigen Wochen, Ende Mai, muss Fachbereichsleiter Cosimo Palomba von der Stadtverwaltung der Politik aufzeigen, wie bis zum Jahre 2027 die Stadt beim heimischen Sport 900 000 Euro einsparen kann.

Dies ist eine zwingende Vorgabe des Haushaltssicherungskonzeptes (HSK), das die in Finanznot geratene Stadt aufstellen musste. In einer Informationsveranstaltung für die Ennepetaler Sportvereine im Klaus-Oberlack-Haus der Milsper Turnvereinigung – organisiert vom Stadtsportverband (SSV) – erläuterten der Erste Beigeordnete und Stadtkämmerer Dieter Kaltenbach, Cosimo Palomba und Marco Heimhardt die städtischen Sparvorschläge.

Stadt möchte Schließung vermeiden

Gebühren für die Nutzung der städtischen Sporthallen, Vermarktung der Namensrechte für Sportstätten und Aufgabe von zwei Sportplätzen – so sieht es das HSK bislang vor. Doch die Schließung möchte die Stadt vermeiden und liebäugelt mit der Verringerung des Zuschusses an die Vereine, den diese für die Pflege der Sportplätze erhalten.

In der gut besuchten Veranstaltung, die der 2. Vorsitzende des SSV, Dirk Baunscheidt, kompetent und sachlich moderierte, so dass zwar die Sorgen der Vereine deutlich, aber auch die Probleme der Stadt anerkannt wurden, gab es keine Wortgefechte, keine Aufgeregtheiten. Dennoch sind die Sportvereine sehr besorgt, denn eine Nutzungsgebühr für Sporthallen würde eine Beitragserhöhung bedeuten. „Sie durchzubekommen, ist äußerst schwer. Wir müssen mit Austritten rechnen“, hieß es von mehreren Seiten. Sogar vom Tod der Sportvereine war die Rede. Ein Vereinsvertreter aus Rüggeberg wies darauf hin, dass es Familien gibt, die mit jedem Euro rechnen müssen.

Für Dirk Baunscheidt ist klar: „Wir wollen uns nicht sperren.“ Er vermisse aber bei der Stadt ein Sportentwicklungskonzept, dass aufzeigt, wohin es mit den Vereinen geht, wie ihre Zukunft aussieht. Dazu müsste es eine Erhebung geben. Dr. Michael Peiniger, der Vorsitzende des TuS Ennepetal, äußerte sich ähnlich: „Bevor wir pauschal kürzen, müssen wir überlegen, was wir wollen. Da wird es auch Verlierer geben.“ Bisher habe man in einer Idylle gelebt, wir hätten es nur nicht mehr gespürt, so Peiniger.

Ein konkreter Vorschlag kam von Willi Vering (Frauen-Fußballclub): „Der Stadtverband vertritt 11 000 Mitglieder in Sportvereinen. Wenn alle solidarisch sind und jedes Mitglied im Monat 25 Cent zahlt, dann haben wir die Nutzungsgebühr-Forderung schon erfüllt.“ Nach den Berechnungen der Stadt sollen ab 2018 jährlich bis einschließlich 2020 Nutzungsgebühren in Höhe von 10 000 Euro erhoben werden.

Beschlossen wurde an dem Abend nichts. In den Vereinen soll jetzt erst einmal eine Meinung gebildet werden, und der SSV will in seiner Jahreshauptversammlung dann Stellung beziehen.

Zu Beginn der Veranstaltung hatte Dieter Kaltenbach die Finanzsituation der Stadt erläutert, wie es dazu kommt, dass die Gewerbesteuereinnahmen so gesunken sind. Wie in vielen seiner Referate ging er auch auf Bundes- und Landespolitik ein, die Gesetze beschließen, aber die Gemeinden finanziell nicht genug ausstatten würden. „So müssen wir an der Steuerschraube drehen und Leistungen kürzen. Tun wir das nicht, haben wir den Sparkommissar im Haus und können nichts mehr selbst entscheiden.“

Brief an den Landtag angeregt

Dirk Baunscheidt regte an, einen Brief an den Landtag zu schicken, denn, wie Rolf Hüttebräuker, der Vorsitzende der FWE-Fraktion sagte, habe die Landesregierung in den 80er Jahren für angekündigte drei Jahre die Gemeindefinanzierung prozentual gesenkt.

„Die drei Jahre sind heute noch nicht rum“, sagte Hüttebräuker sarkastisch, der sich aber jetzt für notwendige Kürzungen im Sportetat aussprach. Kaltenbach bestätigte: „Keine Regierung hat das bisher geändert.“

Text aus WR vom 05.04.2017 (Hans-Jochem Schulte).

 

 Foto und Schaubild aus WR vom 05.04.2017.