Traditionsgaststätte schließt nach fast 110 Jahren

09.09.2017 11:54

Seit 1908 ist das Café Küper im Heilenbecker Tal Ausflugsziel, Vereinslokal und Nachbarschaftstreff. Nun schließen Bernhard und Brigitte Küper die Gaststätte.

 

Es sind nur noch wenige Tage, dann schließt die traditionsreiche Gaststätte Küper am Wittenstein. Für Brigitte und Bernhard Küper endet mit dem Monat September das Leben mit Stammtischen, Vereinen und lieben Gästen.

Die dazugehörige Bäckerei, in der Meister Bernhard Küper wirkte, ist schon seit 2012 geschlossen. Die Küpers versorgten Rüggeberg, Homberge und die Bewohner des Heilenbecker Tals mit Brot und anderen Backwaren. Spricht man von der Traditions-Gaststätte, dann gehen die Erinnerungen an „Oma Bienenstich“. Else Küper, geborene Morge, die Mutter von Bernhard Küper, bekam einst die Ehrenbezeichnung „Oma Bienenstich“ von Patienten der Klinik Königsfeld verliehen. Sie wussten das süße Geheimnis von Else Küper zu schätzen. Noch heute, drei Jahre nach ihrem Tod, ist „Oma Bienenstich“ nicht vergessen. Im Jahre 2002 zierte sie ein Monatsblatt im Kalender, der bekannte Ennepetaler Frauen ein Denkmal setzte. Im Gespräch mit dieser Zeitung erinnert das Ehepaar Küper auch an „Tante Hildegard“, Schwester von Else Küper. Sie gehörte viele Jahre am Wittenstein dazu.

Erinnerung an „Oma Bienenstich“

Man muss wissen, die Gaststätte Küper am Wittenstein erfüllte viele Aufgaben. Sie stand für gute Nachbarschaft, für ein reges Vereinsleben und war ein gefragtes Ausflugsziel. Brigitte Küper schmunzelt, als sie erzählte: „Russische Eier waren damals gefragt und natürlich Schnittchen mit verschiedenen Wurstsorten.“ Bernhard Küper erinnert sich noch, wie einige Schweine zur Eigenschlachtung gehalten wurden. Dann zeigte das Ehepaar Küper eine alte Streichholzschachtel. Auf der steht geschrieben: „So mancher Gast kehrt gerne ein und fühlt sich wohl am Wittenstein.“ Darunter heißt es: „Beliebtes Café im schönen Heilenbecker Tal“. Eine Taube ziert die Streichholzschachtel nicht ohne Grund. Der Rüggeberger Taubenzuchtverein verkehrte bei Küper. Die Gaststätte war das Vereinslokal. Aber auch der ehemalige Schützenverein Wittenstein, der später in den Milsper Schützenverein aufging, tagte natürlich bei Küpers. Auch eine schon historische Postkarte mit einem Foto des Hauses Küper, hergestellt vom damaligen Milsper Fotografenmeister Schneider, warb für das Café-Restaurant.

Dieses stattliche Haus ließ Theo Bernhard Küper, Bernhards Urgroßvater, im Jahre 1856 errichten. Bis dahin wohnte er mit seiner Familie in dem heute unter Denkmalschutz stehenden Gebäude hinter der Gaststätte. Dort führte er eine Mehlmühle mit Bäckerei und auch Landwirtschaft. Im Jahre 1908 wurde das Café-Restaurant Küper eröffnet.

Zurück zur „Oma Bienenstich“, die vom Krüners Kotten kam und den jungen Bäcker Bernhard heiratete. Sie fuhr bald täglich mit ihrem Mann mit dem Auto zu den verstreuten Höfen in Rüggeberg und zu den Häusern im Heilenbecker Tal und verkaufte Brot und Backwaren. Als Sohn Bernhard jr. im Jahre 1970 seine Brigitte heiratete, dauert es nicht lange, da war sie auch mit dem Verkaufswagen unterwegs. Dann kam auch noch der Gaststättenbetrieb hinzu. An Arbeit hat es der Familie Küper nie gemangelt.

Weiter viel zu tun auf dem Anwesen

Auch wenn bald die Gaststätte geschlossen ist, haben Brigitte und Bernhard viel zu tun auf dem großen Anwesen. Zurück bleiben die Erinnerungen an eine schöne Zeit. Bernhard Küper lacht, als er erzählte, wie es vor wenigen Jahrzehnten in der Gaststätte zuging. „Die meisten Menschen hatten ja noch kein Fernsehgerät. Wir hatten eins in der Gaststätte auf dem Klavier stehen. Die Kinder der Gäste hockten vorne davor, dahinter saßen die Frauen und die Männer standen an der Theke. So war es auch, wenn der Rüggeberger Pastor Wulfhorst bei uns mit der Nachbarschaft Wittenstein Weihnachten feierte!“

Text aus WR vom 09.09.2017 (Hans-Jochem Schulte).

  Bild aus WR vom 09.09.2017.