Antrag des Heimatvereines Milspe abgelehnt

02.03.2019 12:46

In der Betriebsausschusssitzung vom 26.02.2019 wurde der Antrag des Heimatvereines Ennepetal-Milspe e.V., die kleine Verbindungsstraße zwischen Süd- und Neustraße in „Kreta“ umzubenennen, abgelehnt.

Der HV Milspe hatte in seinem Antrag vom 02.04.2018 folgende Begründung angegeben:

 

Der Begriff „Kreta“ tauchte in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts in der ehemals selbstständigen Gemeinde Milspe auf und umfasste das ehemalige Industrie- und Arbeiterviertel im gesamten Bereich der Süd- und der Gasstraße. Wie es zu dem Begriff „Kreta“ kam, ist aus heutiger Sicht leider nicht mehr nachvollziehbar. Allerdings kennen alte Milsper Bürgerinnen und Bürger noch den Begriff und können ihn räumlich und zeitlich einordnen.

 

Die Anregung des HV Milspe soll unter anderem auch dazu dienen, dass alte Begriffe nicht in Vergessenheit geraten und auch jüngeren Generationen auf diesem Wege Informationen zur Geschichte des Ortsteiles Milspe zur Verfügung stehen.

 

Die Begründungstext entstand in Zusammenarbeit mit dem Heimatforscher Hans Hermann Pöpsel, der bereits am 31.12.1997 in der Westfälischen Rundschau einen Artikel zum Thema „Kreta“ veröffentlicht hatte.

 

Gründe für die Ablehnung waren u.a., dass der Begriff „Kreta“ in der Bevölkerung verrufen war, und somit eine Abwertung der damaligen dort arbeitenden und wohnenden Menschen gegeben sei.

Der Antrag des HV Milspe wurde in den Kulturausschuss verwiesen, damit dieser ggf. eine Schautafel an geeigneter Stelle prüft.

Dass der Begriff „Kreta“ despektierlich gemeint war, ist auch den Verantwortlichen des HV Milspe klar. Fest steht aber auch, dass gerade das alte Industrieviertel in der Gas- und Südstraße erheblich zum Aufschwung der Gemeinde Milspe beigetragen hat. Es war das industrielle Herz von Milspe. Väter, Großväter und Urgroßväter vieler heutiger Ennepetaler haben teilweise im Drei-Schichten-Betrieb in den alten Gießereien gearbeitet. Legendär waren auch anzufindende "Versammlungen" von Ehefrauen der Arbeiter vor den Werktoren am Freitagnachmittag, wenn es die Lohntüten gab. Damit sollte verhindert werden, dass ihre Ehemänner in den Milsper Kneipen eine "Sonderschicht" einlegten. Die Arbeiterfamilien gaben letztendlich ihr sauer verdientes Geld bei den Milsper Ladeninhabern und Kneipenbesitzern in ganz Milspe aus und trugen so zu deren Wohlstand und Ansehen bei.

Nicht vergessen werden sollte hierbei auch, dass viele Villen und Patrizierhäuser in Milspe ohne "Kreta" nicht enstanden wären.

Aus Sicht des Heimatvereines Milspe wäre es schade, wenn ein Begriff, der in Milspe jahrzehntelang Gang und Gäbe war, durch „Political Correctness“ in Vergessenheit geraten würde.

Die historischen Bilder der Gas- und Südstraße stammen aus dem Archiv HV Milspe.