Dr. Fuchs-Touren durch die Stadtgeschichte

08.04.2019 12:40

Rund 60 Frauen und Männer gingen am Sonntag Mittag vom Aldi-Parkplatz in Altenvoerde aus durch „ihre Stadt“. Anlass war das Stadtjubiläum „70 Jahre Ennepetal“. Mitorganisator Roman Kruzycki und Bürgermeisterin Imke Heymann schickten drei Gruppen auf die Wanderschaft. Karlfried Stolz führte über die Mittelstraße in Altenvoerde, Hans-Gerd Bangert über die Voerder Straße in Milspe, und Klaus Rüggeberg erklomm mit seiner Gruppe den Ortsteil Berninghausen. Dieser Gruppe schlossen wir (WP/WR) uns an.

„Das macht Spaß und ist kein Lehrgang.“ So die Worte des Milsper Heimatvereins-Vorsitzenden Theo Bicking. Nach kapp zwei Stunden Gang lautet das Fazit: Bicking hatte recht, aber lehrreich war es auch. Dafür sorgte schon Klaus Rüggeberg, aus dem die Geschichten zu einzelnen Häusern nur so sprudelten. An der Sparkasse wurde es ernst. Die steile Berninghauser Straße musste bewältigt werden. Rüggeberg zählte die vielen Geschäfte und Werkstätten auf, die es einst im unteren Bereich der „Berninghauser“ gab. Immer wieder zeigte er alte Fotos. "So sah es hier früher aus.“ Man entdeckte auf den Fotos die alte Schule Friedenstal an der Schulstraße/ Berninghauser Straße (die jetzige Grundschule Friedenstal steht in der Esbecke Straße. Sie war früher die Schule Esbecke) und sah auch die ehemalige Turnhalle. Jetzt stehen dort Wohnhäuser. Weiter ging es bis zur Einmündung Heinrichstraße. Hier gab es für einige Teilnehmer eine Enttäuschung. Die Firma Leuchten Dahlhaus konnte entgegen der Ankündigung nicht besichtigt werden. Die Frauen und Männer warfen von außen einen Blick in den Ausstellungsraum mit den historisch aussehenden Leuchten und sagten übereinstimmend: „Das sieht wunderschön aus.“ Weiterhin ging es bergauf. Links der Berninghauser Straße ist wieder eine große Freifläche, auf der direkt nach dem Krieg gebaute Wohnhäuser für „Ausgebombte“ standen. Jetzt kann man wieder auf das untere Milspe gucken, und in der Ferne ist die Johanneskirche in Voerde zu sehen.

Kletterei hat ein Ende

Die Kletterei hat ein Ende: die Einmündung Kalkstraße ist erreicht. Ein Päuschen für alle und jede Menge Informationen dazu. Hier hat die Familie Rüggeberg in einem Fachwerkhaus gewohnt, hier hat der kleine Klaus sein Paradies gehabt. In der jetzigen Wohnstraße standen einst nur zwei Häuser, alles andere war Gartenland und Wiese. Rüggeberg bringt den Spruch: „Wer im Sommer Kappes klaut, hat im Winter Sauerkraut.“ Ja, so soll es in der Kalkstraße auf Berninghausen gewesen sein. Hier lebten die Koorths und wohnte der Schrotthändler Ostermann, hier gab es Mutproben für Kinder und Spielen im Sumpf, dort wo jetzt der Spelsbergweg ist.

Alle von Klaus Rüggeberg mitgeführten Bilder sind betrachtet, weiter ging es in Richtung Ehrenmal auf der Hardt. Zuvor sieht man das Bremen-Stadion aus anderer Richtung und Klaus Rüggeberg erzählt: „Hier war eine große Wiesenfläche, unsere Prärie. Da stand ein altes Haus mit einem Ziehbrunnen.“ Noch wenige Meter, dann ist der Eingang des Ehrenmals erreicht.

Die Gemeinde Milspe ehrte in dem Gemäuer ihre Toten des Ersten Weltkrieges, hier hatten zwei junger Milsper, die beim Kapp-Putsch die Demokratie verteidigten und in Remscheid starben, ihre Ruhestätte gefunden – bis die Nazis kamen. Das Ehrenmal und das große Gelände rundherum wurden zur Aufmarschstätte.

Ehrengrab für zwei Kämpfer

Die beiden Kämpfer haben jetzt ein Ehrengrab auf dem Milsper Friedhof. Was Erinnerungen hervorrief: Unter dem Denkmal hatten Pfadfinder einen Tagungsraum.

Nun ging es nur noch bergab, zur Villa Stockey, zur evangelischen Kirche und von dort die „Himmelsleiter“ hinab in die heutige Innenstadt. Im Café Kartenberg endete die Wanderung mit einem Kaffeetrinken.

 

Text und Fotos aus der WR vom 08.04.2018 wurden mit freundlicher Genehmigung des Urhebers Hans-Jochem Schulte hier eingestellt.