Erhöhung der Standgebühr im Industriemuseum

10.08.2018 09:48

Derzeit läuft noch der Bewerbungszeitraum für kulinarische Anbieter auf dem Kreativweihnachtsmarkt im Industriemuseum. Als sich Bianca Herberg und Heike Gräfe, die seit vielen Jahren an der Neustraße mit einem Glühweinstand dabei sind, das Formular für 2018 anschauten, erlebten sie eine Überraschung: Inklusive 35 Euro für Strom müssten sie für die zweitägige Veranstaltung 335 Euro Standgebühr zahlen. Das habe sie sehr erstaunt, erklären die beiden. Im vergangenen Jahr seien es noch 95 Euro gewesen.

Angesichts dieser drastischen Erhöhung sei ihnen eine Teilnahme nicht mehr möglich, sagen die beiden Ennepetalerinnen. „Denn bei aller ,Liebhaberei’ des Weihnachtstrubels müssen wir zumindest weitestgehend kostendeckend wirtschaften. Für uns bedeutet das, dass wir – alle Nebenkosten wie zum Beispiel Zeit- und Personalaufwand außer Acht lassend – 50 Liter Glühwein verkaufen müssten, um den ersten Euro Gewinn zu erwirtschaften“. Beide gehen davon aus, dass es vielen anderen Ausstellern, auch Vereinen, die 235 Euro inklusive Strom zahlen müssen, ebenso geht. Daher appellieren Bianca Herberg und Heike Gräfe an die Veranstalter vom Förderkreis Industriekultur, die Preisgestaltung noch einmal zu überdenken.

Teilnahme so nicht mehr möglich

„Der Weihnachtsmarkt im Industriemuseum ist eine wunderschöne Veranstaltung, eben auch von Ennepetalern für Ennepetaler“, meinen beide. „In puncto Atmosphäre und Location genießt er ein absolutes Alleinstellungsmerkmal und ist weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und beliebt.“ Mit derart hohen Gebühren würden aber alle heimischen Aussteller von den Außenflächen verdrängt, es könnten nur noch kommerzielle, professionelle Schausteller teilnehmen.

Seit 2012 seien sie mit von der Partie gewesen, erklären Bianca Herberg und Heike Gräfe. Sie würden qualitativ hochwertigen, im Einkauf vergleichsweise teuren Glühwein anbieten. „Wir verzichten gerne auf eine hohe Gewinnspanne und bieten den Glühwein zum gleichen Preis an wie alle anderen Aussteller.“ Sie hätten auch nie die Preise erhöht, weil sie weniger aus Profitgründen, sondern viel mehr aus Spaß und Freude in ihrer kleinen „Räuberhöhle“ stehen würden. „Wir genießen die Atmosphäre, freuen uns über unsere mittlerweile recht große Schar an Stammgästen und sind als überzeugte Ennepetaler mit Herz und Leidenschaft dabei.“

Ludger Döpp, stellvertretender Vorsitzender des Förderkreises Industriekultur, räumt ein, dass die Erhöhung in diesem Fall sehr drastisch erscheine. Allerdings sei im vergangenen Jahr ein Fehler passiert: „Wir haben damals nur die Miete für die Hütte, die wir zur Verfügung stellen, kassiert.“ Dies liege bei 95 Euro inklusive Aufbau. Die Berechnung der Standgebühr sei nicht erfolgt. Normalerweise wären je Quadratmeter 15 Euro zu zahlen gewesen, bei etwa sechs Quadratmetern Hüttengröße also 90 Euro. Insofern wäre der Preis eigentlich 185 Euro zuzüglich Strom gewesen. Insofern würden Vereine bei der kommenden Veranstaltung nur 15 Euro mehr zahlen, erklärt Ludger Döpp. Nur private Betreiber würden mit 115 Euro Erhöhung deutlich mehr belastet. Vereine, die ihre Gewinne ja für ihre Mitglieder erwirtschaften würden, sollen durch den geringeren Satz unterstützt werden.

Mit den aktuellen Gebühren für die Speisen- und Getränkestände liege man auf dem Niveau von Weihnachtsmärkten in der Umgebung, betonen Ludger Döpp und Mitorganisatorin Anke Bilstein-Blaufelder, die sich um die Zusammenstellung der Kreativ-Stände kümmert. Für diese sind übrigens erheblich niedrigere Gebühren zu zahlen (70 Euro für einen großen und 40 Euro für einen kleinen Stand, inklusive aller Nebenkosten). Letztlich müsse man den – ehrenamtlich organisierten – Weihnachtsmarkt finanziell auf feste Beine stellen, daher habe man im Förderkreis eben die Erhöhung für die kulinarischen Angebote beschlossen. Der Kreativweihnachtsmarkt werde als Veranstaltung in Ennepetal wahrgenommen und sei positiv für das Image der Stadt, meint Anke Bilstein-Blaufelder. Man könne ihn aber nur erhalten, wenn man das Industrie-Museum erhalte. Dafür müssten Einnahmen erzielt werden. Sie räumt aber ein, dass die Kommunikation nicht gut gelaufen sei. „Wir hätten vorher über die neuen Preise informieren müssen“, meint sie. Die Betreiber einfach so mit den neuen Standgebühren zu konfrontieren, sei falsch gewesen. „Das tut mir leid.“

Vorschlag: Eintritt nehmen

Bianca Herberg und Heike Gräfe betonen, dass sie Verständnis dafür hätten, dass der Förderkreis des Museums auch kostendeckend arbeiten muss. Daher rege man seit Jahren an, ein geringes Eintrittsgeld (nur für Erwachsene, z. B. 3 Euro) zu erheben. Das sei organisatorisch sehr aufwendig, erklären Ludger Döpp und Anke Bilstein-Blaufelder. Und hinsichtlich des ebenfalls von den beiden Glühweinanbieterinnen gemachten Vorschlags, den Markt sonntags von 13:00 Uhr bis 19:00 Uhr (statt von 11:00 Uhr bis 17:00 Uhr) zu öffnen, weil das für die kulinarischen Standbetreiber besser sei, betonen die beiden Förderkreis-Vertreter, dass man das bereits diskutiert habe. Letztlich gehe es aber bei dem Weihnachtsmarkt zuvorderst um die Kreativangebote. Daher halte man die Zeiten für passend.

 

Text aus WR vom 10.08.2018 (Hartmut Breyer).

 

 

Bilder aus WR vom 10.08.2018.