Große Schäden am Bahnhof Ennepetal (Gevelsberg)

13.04.2018 10:40

„Wir sind sind uns einig, dass hier viel zu tun ist“, lautete das Fazit von Stadtbetriebe-Vorstand Joachim Hübner nach der Begehung des sanierungsbedürftigen Bahnhofs Ennepetal, zu der er Vertreter des Fördervereins Denkmal Bahnhof eingeladen hatte. Dabei erläuterten zwei von der Stadt beauftragte Experten, dass das Gebäude in weiten Teilen vom echten Hausschwamm befallen ist und nur mit erheblichem Aufwand saniert werden kann. Ansonsten herrschte nach dem Ortstermin wenig Einigkeit. Die Fördervereins-Vorstandsmitglieder Dieter Dummann und Wolfgang Frey, beide als Architekten sachkundig, kritisierten deutlich, dass trotz der seit Langem bekannten erheblichen Schäden bisher nicht gehandelt worden sei. „So geht man ein solches Problem doch nicht an, wenn man das Gebäude wirklich erhalten will“, sagte Frey.

Auf Wunsch des Fördervereins hatte Jochim Hübner die Begehung organisiert. „Uns geht es darum, zu sehen, wie es hier weitergeht. Das sehen wir bisher nämlich nicht“, erklärte Wolfgang Frey. Der von den Stadtbetrieben (SBE) beauftragte Gutachter Mario Hänseler aus Sprockhövel, der sein Gutachten bereits im Sommer vergangenen Jahres vorgelegt hatte, und der Sachverständige Ulrich Arnold, der momentan mit der Aufstellung der Kostenkalkulation für eine Sanierung befasst ist, führten im Beisein von Theo Bicking, dem Vorsitzenden des Ausschusses für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung sowie Judith Rothert, Architektin bei den SBE, die beiden Vereinsvertreter durch die Räume.

Zerstörung durch Hausschwamm

An zahlreichen Stellen waren Fußböden und Wände aufgestemmt und die Decke geöffnet worden, um die Schäden beurteilen zu können. Die beiden Sachverständigen machten deutlich, inwieweit insbesondere der echte Hausschwamm sein Werk getan habe. Vor allem im Erdgeschoss sei in weiten Bereichen das Fachwerk vollständig zerstört. Die Außenwand zur Straße hin sei komplett befallen, ebenso der Fußboden. Nur im Bereich der ehemaligen Gaststätte seien die Schäden etwas weniger gravierend.

Im Keller, der massiv aus Naturstein gebaut ist, gebe es vor allem Insektenbefall. „Dort muss man eigentlich nur einmal richtig saubermachen“, erklärte Mario Hänseler. Auch in der oberen Etage sind die Schäden nicht so erheblich wie im Erdgeschoss. Allerdings müsse am Dach einiges getan werden, erklärte Ulrich Arnold. Dort war hinter einer Verkleidung ein alter Brandschaden festgestellt worden. Dieses sei aber bereits vor dem Kauf des Bahnhofs durch die Stadt bekannt gewesen, meinten Wolfgang Frey und Dieter Dummann. Bei der Begehung wurde übrigens auch festgestellt, dass in einem Dachfenster das Glas fehlt, so dass es dort reinregnet. Dieser Schaden sollte aber sofort behoben werden.

„Die Schäden sind wirklich gravierend“, betonte SBE-Vorstand Joachim Hübner. Nun warte man auf die Fertigstellung der Kostenkalkulation. „Mitte des Jahres möchten wir erste Ergebnisse haben“, sagte er. Nach der Sommerpause wolle man dann der Politik eine Vorlage liefern, auf deren Basis eine Entscheidung getroffen werden könne, wie es weitergehen soll. Dann müsse das Vorgehen mit der Landesdenkmalbehörde abgestimmt werden. Hübner erklärte, dass zu überlegen sei, ob man das komplette Gebäude mitsamt der im Laufe der Jahre hinzugekommenen Anbauten sanieren wolle oder sich gegebenenfalls auf den Ursprungszustand aus dem Jahr 1849 beschränke. Zu klären sei zudem, ob eine tatsächliche Instandsetzung des Denkmals oder nur ein „historisierender Nachbau“ umgesetzt werden solle. Alle Überlegungen stünden unter der Prämisse, dass das Gebäude nur in einem Rohbauzustand hergestellt werde, „weil wir hier keine sinnvolle Nutzung sehen“, so Hübner. Zu etwaigen Kosten wollte keiner der Beteiligten zum jetzigen Zeitpunkt eine Aussage treffen.

SBE weisen Vorwürfe zurück

Wolfgang Frey und Dieter Dumann erklärten nach der Begehung, dass sie nicht die Arbeit der Sachverständigen kritisieren würden, sondern die Zeitschiene. „Wenn sie so verfahren wie beschrieben, dann wird es einen Baubeginn frühestens 2019 geben. Das geht gar nicht“, sagte Dumann an Joachim Hübner gerichtet. „Wir wissen doch, wie es um das Gebäude steht. Da ist schnelles Handeln gefragt.“

Der SBE-Vorstand entgegnete, dass man das Gebäude Anfang 2017 aus dem Eigentum der Stadt übernommen habe. „Wir haben uns sofort einen Überblick verschafft“, betonte er. Nun gehe es darum, eine fundierte Entscheidungsgrundlage für die Politik zu schaffen. Man habe nicht einfach mit Maßnahmen beginnen können, so lange nicht klar sei, wie es insgesamt mit dem Bahnhof weiter gehen soll. Zudem habe man im vergangenen Jahr 48 000 Euro in Sicherungsmaßnahmen investiert. Mario Hänseler ergänzte, dass die Schäden seit der Begutachtung im Juni 2017 nicht größer geworden seien.

Text aus WR vom 13.04.2018 (Hartmut Breyer).

 

 

Bilder aus WR vom 13.04.2018