Haus Ennepetal bleibt bis 2024

04.01.2019 11:23

 

Mit der Verabschiedung des städtischen Haushalts beschloss der Rat der Stadt auch, den geplanten Abriss des Hauses Ennepetal um zwei Jahre zu verschieben. Bis 2024 wird das Haus demnach noch erhalten bleiben. Der Beschluss hat Auswirkungen auf den gesamten Zeitplan für das Projekt, das die Errichtung eines neuen Mehrgenerationenhauses (MGH) auf dem benachbarten Grundstück Voerder Straße 123 und den Neubau eines Veranstaltungszentrums am bisherigen Haus-Ennepetal-Standort vorsah.

„Die Verschiebung um zwei Jahre ist erst einmal kein Problem“, erklärt Stephan Langhard, Leiter des Fachbereichs Bürgerdienste und Stadtentwicklung. Der ursprüngliche Zeitplan sei sehr ambitioniert gewesen. Demnach hätte das neue MGH schon Anfang 2021 eröffnen und dann der Abriss des Hauses Ennepetal erfolgen sollen. Das wäre ohnehin schon nicht mehr einzuhalten gewesen. „Ich halte die Zeit, die wir uns jetzt im Vorfeld nehmen, für wichtig.“ So könne man genau analysieren und dann schauen, wie man baut. „Das Projekt soll schließlich mehrere Jahrzehnte Bestand haben“, betont Langhard.

Florian Englert, Geschäftsführer der Kluterhöhle und Freizeit GmbH & Co., die das Haus Ennepetal betreibt, ergänzt: „Man könnte natürlich sagen, wir betrachten das Mehrgenerationenhaus, das Veranstaltungszentrum und den Ennepegarten jeweils isoliert. Es macht aber viel Sinn, das als ein großes Projekt zu sehen.“ Die einzelnen Bestandteile – dazu gehört auch der Eingangsbereich der Kluterthöhle – müssten zusammenspielen und harmonisch aufeinander abgestimmt sein. Wichtig sei nicht zuletzt, sich darüber Gedanken zu machen, wie das Mehrgenerationenhaus und das Veranstaltungszentrum künftig verzahnt werden könnten.

Derzeit stehe die beauftragte Wirtschaftlichkeitsuntersuchung kurz vor dem Abschluss, so Stephan Langhard. Diese beinhalte zum einen eine Analyse, wie das neue Veranstaltungs- bzw. Bürgerzentrum aussehen könnte. Zum anderen sei auch das MGH Gegenstand der Untersuchung. Für Letzteres sei zu klären, wie groß der Bau überhaupt werden solle und was es beherbergen soll. Für den Kindergarten müsse beispielsweise die Gruppenzahl geklärt werden. Auch die Einbeziehung von Räumen für die VHS Ennepe-Ruhr-Süd würde – nicht zuletzt auf den entsprechenden Hinweis aus der Politik hin – mit untersucht.

Für das Veranstaltungszentrum sei zu klären, ob der Bau eher ein Bürgerzentrum oder eine Veranstaltungs- bzw. Kongresszentrum sein solle. Saalgröße, Bühne, Bestuhlung und Technik würden unter anderem in den Blick genommen. „Was kostet die eine, was die andere Variante, welche Vor- und Nachteile gibt es“, seien wesentliche Fragen, die beantwortet werden müssten, betont Stephan Langhard. Unter anderem habe das beauftragte Unternehmen „Bulwiengesa“ im Rahmen der Wirtschaftlichkeitsuntersuchung eine Marktanalyse vorgenommen, welche Einrichtungen bereits in den Nachbarkommunen vorhanden seien und welche in Ennepetal und wofür es einen bestimmten Bedarf gebe.

Im Frühjahr Richtungsentscheidung

Zu klären ist nach Langhards Ausführungen nicht nur, wie die Neubauten aussehen und was sie beinhalten sollen, sondern auch, in welcher Form das Projekt abgewickelt wird. „Wird es einen Generalunternehmer geben, bauen wir selber oder könnte es in Form einer öffentlich-privaten Partnerschaft erfolgen.“ Auch dafür solle die Wirtschaftlichkeitsuntersuchung Hinweise geben.

Während für das Veranstaltungszentrum kein Zeitdruck herrscht, ist es beim MGH-Neubau schon etwas eiliger. Schließlich ist geplant, den aktuell zweigruppigen Kindergarten aufgrund des immer größer werdenden Bedarfs an Kita-Plätzen zu vergrößern. „Etwas Zeit haben wir noch, weil zunächst noch in Hasperbach gebaut wird. Aber natürlich sollten wir recht bald zu einem Ergebnis kommen“, sagt Stephan Langhard.

Möglichst im Frühjahr solle die Politik auf Basis des Untersuchungsberichts eine Entscheidung fällen, in welche Richtung sich die Planungen bewegen sollen und wie das Prozedere aussehen soll. Dann könne im Anschluss ein städtebaulicher Wettbewerb veranstaltet werden, der eine Planung für den gesamten Bereich im Dreieck Voerder Straße/Neustraße/Gasstraße unter Einbeziehung der Kluterthöhle beinhaltet.
 

Büchereiräume besser zu vermieten, Zeitgewinn macht Zwischennutzung wahrscheinlicher. VHS interessiert.

Dass das Haus Ennepetal nun länger stehen wird, könnte sich auch günstig auf eine Zwischennutzung für leer stehende Räume auswirken.

Wenn – voraussichtlich im Mai – die Stadtbücherei aus- und in die erste Etage der Passage am Markt einzieht, werden etwa 800 Quadratmeter im Haus Ennepetal frei. „Dass die Räume bis 2024 genutzt werden können, macht sie für eine Vermietung attraktiver“, sagt Geschäftsführer Florian Englert. Man befinde sich in Gesprächen mit der VHS und der Stadtverwaltung, denn die VHS muss ihre Räume im Harkortschulgebäude im Sommer abgeben und sucht Ersatz. VHS-Direktor Achim Battenberg habe signalisiert, dass er sich einen Einzug vorstellen könne, so Englert.

Pläne für Höhlenvorplatz unberührt

Es müssten noch Detailabsprachen erfolgen, wie die Räume aufgeteilt und ausgestattet werden sollen – vor dem Hintergrund, dass alle Maßnahmen bei einer Nutzungsdauer von wenigen Jahren wirtschaftlich vertretbar sein müssen.

Unberührt von der Verschiebung des Abrisstermins bleibt die Neugestaltung des Kluterthöhlenvorplatzes. Die genaue Ausgestaltung für den Bereich werde noch einmal politisch beraten, so Fachbereichsleiter Stephan Langhard. Dann könnten die Ausschreibungen vorbereitet und die Arbeiten – wenn alles gut laufe – noch in diesem Jahr erledigt werden. „Auf allen Seiten gibt es das Interesse, dass wir dem Titel ,Nationales Naturmonument’, den die Höhle erhalten soll, auch gerecht werden“, betont Langhard.

 

Text aus WR vom 04.01.2019 (Hartmut Breyer),

Bilder aus WR vom 04.01.2019.