Heimatfreund Friedrich-Wilhelm Schlottmann wird 95 Jahre alt

09.02.2019 12:49

Wenn am morgigen Sonntag (10.02.2019) Gäste ins 300 Jahre alte Haus an der Heilenbecker Straße kommen, um Friedrich-Wilhelm Schlottmann zu seinem 95. Geburtstag hochleben zu lassen, dann wird etwas Außergewöhnliches vonstatten gehen.

Das „Geburtstagskind“ macht den Gratulanten vom Industriemuseum ein Geschenk. Schlottmann wird auf einen Knopf drücken, dann wird ein Schmied den Hammer auf glühendes Eisen sausen lassen, so wie es einst an Heilenbecke und Ennepe an der Tagesordnung war. Wer sehen möchte, wie die Technik in der Schmiede funktioniert, wie der Hammer angetrieben wird, der kann durch ein kleines Fenster ins beleuchtete Innere schauen.

Das Modell, das die Herzen von Heimatfreunden schneller schlagen längst, ist das jüngste Anschauungsobjekt des Tüftlers. Alles deutet daraufhin, dass auch dieses Modell im „Schlottmann-Raum“ des Industriemuseums an der Neustraße seinen Platz finden wird.

Beruflich beim Hoesch-Konzern

Friedrich-Wilhelm Schlottmann hat in seinem langen, erfüllten Leben nicht nur in seinem Keller aus Schrott Modelle gebaut, er hat auch immer wieder Impulse gegeben zur Industriegeschichte in der Stadt. Wenn er Vorträge hielt, sprach er mit Leidenschaft und Respekt über die Menschen, die einst in den Tälern in Schmieden und Schleifkotten mit harter Arbeit ihren Lebensunterhalt verdienten.

Der Jubilar selbst lernte bei Hesterberg, besuchte später abends die Maschinenbauschule in Hagen, wurde Industriemeister. In den verschiedensten Werken des damaligen Hoesch-Konzerns war er verantwortlich in der Instandhaltung tätig. „Es war eine schöne Zeit bei Hoesch“, sagte Friedrich-Wilhelm Schlottmann beim Besuch dieser Zeitung. Viele Lehrlinge hat er dort ausgebildet. Er selbst gehörte auch dem Prüfungsausschuss an.

In der ganzen Stadt bekannt wurde Schlottmann, als sein Freund Dr. Walter Knuff das Straßen-Industriemuseum aufbaute. Schlottmann war mit Begeisterung dabei. Der Zunftbaum am Milsper Marktplatz ist sein Werk.

Stundenlang war er an manchen Tagen im Keller seines Hauses verschwunden, schuf dort in kniffliger Arbeit Funktionsmodelle. Schlottmanns Tochter, Margret Zeranski, erzählt, wie ihr Vater aus Schrott Modelle baute, wie er Akkuschrauber als Motoren einsetzte. Friedrich-Wilhelm Schlottmann lacht, als seine Tochter sagt: „Bei uns fehlten immer die Akkuschrauber, obwohl wir neue gekauft hatten.“

Wer den Schlottmann-Raum im Industriemuseum betritt, staunt: Da wird geschmiedet, da zieht ein Pferd eine große Last da rauchen Schornsteine und drehen sich Wasserräder. Schon längst ist der nun 95-jährige Ehrenmitglied im Förderkreis Industriekultur, der im Industriemuseum angesiedelt ist. Seine Modelle waren in vielen Städten zu sehen, unter anderem auch in der Ausstellung über Leonardo da Vinci in der Henrichshütte in Hattingen.

Wenn sich das Industriemuseum auswärts präsentiert, dann wird ein transportables Modell mit auf die Reise genommen. Es ist ein Federhammer, made by Friedrich-Wilhelm Schlottmann. Dass er auch ein großer Bewahrer der Heimat ist, beweist seine Wahl zum Ehrennachtwächter in Voerde. Das war im Jahre 2014. Er ist Mitglied in den Heimatvereinen Milspe, Voerde und Sprockhövel.

Aus alten Sachen Neues machen

In seinen Keller muss der Tüftler und Konstrukteur nicht mehr gehen. Seine Werkbank steht nun im ehemaligen Kinderzimmer. Dort macht Friedrich-Wilhelm Schlottmann mit ruhiger Hand und viel Liebe aus alten Sachen Neues Altes und lässt in die Gründerzeit der Industrie an Heilenbecke und Ennepe blicken.

Text (Hans-Jochem Schulte) und Bilder aus WR vom 09.02.2019.

 

Der Vorstand des Heimatverein Ennepetal-Milspe e.V. gratuliert Friedrich-Wilhelm Schlottmann auch auf diesem Wege zum 95. Geburtstag.

Schlottmann gehört dem Heimatverein seit vielen Jahren an und war auch lange Zeit als Vorstandsmitglied im Verein tätig.
Zahlreiche Projekte gingen auf seine Initiative zurück. Neben dem o.a. Zunftbaum am Milsper Marktplatz und den genannten Publikationen erstellte er im Jahre 2002 für den Heimatverein Milspe die 60 Seiten umfassende Broschüre
"
Die technische Entwicklung unserer heimischen Industrie", die noch heute über den Heimatverein bezogen werden kann.

siehe auch Seite "Publikationen"