Keine Gottesdienste mehr am Büttenberg

22.06.2018 10:12

Weil Pfarrer Achim Härtel von der Evangelischen Kirchengemeinde Milspe-Rüggeberg am 31. Oktober dieses Jahres in den Ruhestand geht, stehen in der Gemeinde Veränderungen an. So sollen ab Januar 2019 keine regulären Gottesdienste mehr in der Predigtstätte Wichernhaus am Büttenberg stattfinden. Auch werden die Gottesdienstzeiten an den Sonntagen in Milspe und Rüggeberg verändert, so dass ein Pfarrer – wenn erforderlich durch Urlaub, Krankheit und so weiter – in zwei Gottesdiensten am Morgen predigen kann. Um 09:30 Uhr soll der Gottesdienst in der Milsper Kirche und um 11:00 Uhr in der Rüggeberger Kirche beginnen.

Wie in der Gemeindeversammlung am Büttenberg unter der Leitung des stellvertretenden Superintendenten Uwe Rahn (Schwelm) bekannt wurde, wird die Pfarrstelle von Achim Härtel nicht neu besetzt, so dass nur noch zwei Pfarrer in der Gemeinde Milspe-Rüggeberg tätig sind: Andre Graf, dessen Bezirk derzeit Rüggeberg und Homberge umfasst, und Christoph Grefe, der den Bezirk Milspe betreut. In Zukunft wird Pfarrer Grefe auch den Büttenberg mit übernehmen, und Pfarrer Graf wird Straßen aus Milspe zugeschlagen bekommen. Diese Veränderungen seien notwendig, weil der Kirchenkreis keine dritte Pfarrstelle mehr genehmigen könne.

Mehr Arbeit für die Pfarrer

Wie Uwe Rahn und der scheidende Pfarrer Achim Härtel den vielen Besuchern der Versammlung erklärten, reiche die Zahl der Gemeindemitglieder für die Nachfolgebesetzung nicht aus. Schon im Jahr 2016 habe die Synode des Kirchenkreises einstimmig beschlossen, dass ein Pfarrer mindestens 2850 Gemeindemitglieder betreuen muss. Die evangelische Kirchengemeinde Milspe-Rüggeberg habe derzeit aber nur insgesamt 5829 Mitglieder. Diese Mitgliederzahl reiche nicht für drei Pfarrstellen. So wurde auch deutlich, dass die Arbeitsbelastung für die Pfarrer erheblich steigen wird.

Schon seit einiger Zeit finden nur noch alle 14 Tage reguläre Sonntagsgottesdienste im Wichernhaus am Büttenberg statt. Der Besuch sei „ausgesprochen mager“, schilderte Pfarrer Achim Härtel. „Mal sind es acht, mal zwölf und ganz selten mal 20 Gottesdienstbesucher.“ Auch die kirchlichen Gruppen, die im Wichernhaus ihre Heimstätte haben, hätten keinen Nachwuchs.

Aus der Versammlung heraus gab es Kritik an der Entscheidung des Presbyteriums, im Wichernhaus keine Gottesdienste mehr stattfinden zu lassen. Der sich schon lange im Ruhestand befindliche ehemalige Büttenberger Pfarrer Dr. Detlef Holinski, kann sich auch mit dem Beschluss nicht anfreunden und sagte: „Ich übernehme im Jahr sechs Gottesdienste!“

Gebäude übt soziale Funktion aus

„Ich weiß, dass der Kruiner Tunnel von vielen Büttenbergern als Grenze gesehen wird. Aber vom Büttenberg bis zur Milsper Kirche sind es nur 2,1 Kilometer. Die sind zu schaffen“, meint Achim Härtel. Aber für ältere Menschen? Aus der Versammlung heraus kam der Vorschlag, einen Kleinbus für Gottesdienstbesucher fahren zu lassen. Das Presbyterium übrigens – auch das wurde bekannt – werde alle Anregungen noch einmal diskutieren.

Aber mit dem Wegfall der regulären Gottesdienste gibt es eine weitere Problematik. Was passiert mit dem Wichernhaus? Das Presbyterium will das 1952 errichtete Haus fünf Jahre lang erhalten. Eine Geldreserve mache es möglich, auch setze man weiter auf den Förderverein. Dessen Vorsitzende Regina Uphoff und auch Bernd Meyer betonten, dass das Wichernhaus eine soziale Funktion am Büttenberg ausübe. „Hier findet was statt, hier treffen sich die Menschen“, sagt Regina Uphoff. Presbyterin Solveig Meder zeigte Verständnis für die emotional geführte Debatte, ist sie doch im Wichernhaus groß geworden. Sie aber bat die Versammlung, die Gottesdienste in Milspe oder Rüggeberg zu besuchen.

Am Schluss gab es Dank und Beifall für Pfarrer Achim Härtel, Dank auch an Uwe Rahn für die Diskussionsleitung. „Es gab Informationen in beide Richtungen“, hieß es. Gemeinsam gesungen wurde das Lied „Herr, bleibe bei uns, denn es wird Abend werden, und der Tag hat sich geneigt“.

Text aus WR vom 22.06.2018 (Hans-Jochem Schulte).

Bilder aus WR vom 22.06.2018