Tanz in den Mai am Külchen weiter ungewiss

27.11.2018 10:29

Die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Arnsberg sorgte vor etwas mehr als einem halben Jahr für Wut, Trauer und Entsetzen bei der Löschgruppe am Külchen und den vielen hundert Gästen: Drei Tage vor dem Tanz in den Mai gaben die Richter der Klage der Nachbarn statt und untersagten die Veranstaltung. Da waren bereits 500 Karten und 4000 Lose verkauft. Der finanzielle Schaden für die Löschgruppe war enorm. Nun fand ein Termin vor Ort mit allen Beteiligten und einem Arnsberger Richter statt. Ergebnis: Für das kommende Jahr wird es zumindest sehr schwer für die Feuerwehr, die Veranstaltung zu realisieren. Es gilt darüber hinaus zu klären, ob am Külchen überhaupt noch einmal in den Mai getanzt wird.

Gerhard Streck, seine Frau Diana und Tochter Silvia waren vor etwa 15 Jahren in das Gebäude neben dem Feuerwehrgerätehaus der Löschgruppe Külchen gezogen. Die Nachbarschaft war zunächst hervorragend, doch vor einigen Jahren begann es zu kriseln auf der Ennepetaler Höhe. Der aus ihrer Sicht zunehmende Lärm während des Tanzes in den Mai wurde den Nachbarn zu viel, die Feuerwehr habe aus ihrer Sicht zu wenig dagegen unternommen. Als die Stadt Ennepetal im vergangenen März die Genehmigung für die Feier erteilte, legten die Strecks Klage ein, gewannen.

Beim nun erfolgten Ortstermin machte der Richter den Feuerwehrleuten und der Stadt Ennepetal unmissverständlich klar, dass eine solche Ausnahmegenehmigung auch in Zukunft nicht genügt und die Stadt Ennepetal ebenso in der Hauptsache verlieren würde. Der Rechtsstreit wurde außergerichtlich beendet, die Stadt Ennepetal trägt die gesamten Kosten.

Lärm auf Vorplatz ist das Problem

Nun arbeitet die Feuerwehr vom Külchen um ihren Löschgruppenführer Timo Schemmann daran, den Anforderungen des Lärmschutzes gerecht zu werden. „Wir werden ein Gutachten zur Machbarkeit einholen und dann schauen, ob die Maßnahmen umsetzbar sind“, sagt Schemmann. Das Gesetz besagt: Einen Meter vor dem Nachbarfenster dürfen maximal 55 Dezibel herrschen. Das entspricht normaler Gesprächslautstärke.

Für Timo Schemmann eine enorme Hürde: „Das Problem ist nicht die Band, sondern das Geschehen auf dem Vorplatz, wo sich die Menschen unterhalten, wo ebenso gefeiert wird, wie im Zelt.“ Meinolf Schütte, Anwalt der Kläger, betont, dass seine Mandanten weiterhin an einer Lösung interessiert seien und ihnen nicht daran gelegen sei, ein Fest zu zerstören. „Der Richter hat sehr praxisnahe Beispiele gegeben, wie durch Strohballen und so weiter der Lärmschutz garantiert werden könne.“

Gutachten ist beauftragt

Zur Debatte stand auch die Verlagerung des Festgeschehens auf die Wiese. Dies gestaltet sich laut Timo Schemmann jedoch schwierig – einerseits wegen der Versorgung aus dem Gerätehaus, andererseits würde die Wiese bei anhaltendem Regen sehr stark aufweichen. Die Löschgruppe will nun dem Gutachter alle notwendigen Unterlagen sowie Daten zur Verfügung stellen und dann in Ruhe überlegen, ob die erforderliche Umsetzung auch machbar sei. „Wenn der Lärmschutz tausende Euro kostet, wäre dies – auch nach dem finanziellen Desaster in diesem Jahr – nicht machbar. Schließlich dient der Tanz in den Mai der Finanzierung unserer Arbeit.“

Auch die Stadt Ennepetal wird das Gutachten und den Antrag der Feuerwehr abwarten. „Erst dann werden wir entscheiden, ob aus unserer Sicht die Immissionsrichtlinien erfüllt sind und wir eine Genehmigung erteilen können“, sagt Stadtsprecher Hans-Günther Adrian auf Nachfrage dieser Zeitung. Für das kommende Jahr droht die Veranstaltung allein aus zeitlichen Gründen auszufallen. Denn in der Vergangenheit war es stets schon ohne den geforderten Lärmschutz so, dass zum jetzigen Zeitpunkt die Löschgruppe ihren Antrag stellte, für dessen Genehmigung die Stadt zuletzt vier Monate benötigte.

Urteil hat Signalwirkung

Und auch darüber hinaus sind das Urteil und die klaren Worte des Verwaltungsgerichts in Arnsberg ein Zeichen, das Vereine und Veranstalter aufhorchen lässt. „Dies zeigt, dass Gerichte nicht schützend die Hand über Veranstaltungen legen und Protest von Anwohnern erfolgreich sein kann, wenn die Vorgaben nicht eingehalten werden“, sagt Meinolf Schütte.

Text aus WR vom 27.11.2018 (Stefan Scherer).

Bilder aus WR vom 27.11.2018.