Widerstand Baugebiet Homberge

22.10.2018 08:57

Braun, rot, gelb und auch noch saftig grün präsentiert sich der Herbst bei bestem Wetter am Samstagmorgen auf Homberge. Viel idyllischer könnte sich der Ennepetaler Ortsteil rund um die Freifläche am Rottenberg nicht zeigen. Es wirkt fast wie ein Postkartenmotiv, hier wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Inmitten dieser Kulisse ist es aber auch Mitte Oktober hitzig, denn die Ennepetaler Bürger haben Diskussionsbedarf. Etwa 100 von ihnen wehren sich massiv gegen das geplante Neubaugebiet in diesem Naturkleinod und hören sich vor Ort die Argumente der Fraktionen im Rat der Stadt Ennepetal an, wie sie zu den Plänen hier 49 neue Häuser zu bauen, stehen.

Es ist eine einseitige Debatte, die sich in Abwesenheit der Bürgermeisterin Imke Heymann entwickelt. Weder die ranghöchste Repräsentantin noch ein anderes Mitglied der CDU-Fraktion ist vertreten, während die Anwohner sich einen Monat vor der Abstimmung über das Bauvorhaben die Positionen der Politik anhören. Nach zwei Besuchen des umstrittenen Gebiets zwischen Örtchen und Rottenberg, an denen es zu hitzigen Diskussionen kam, lässt sich die CDU, die für das Wohnbaugebiet ist, diesmal entschuldigen.

Warum Planungsbüro aus Berlin?

So richtig für eine Bebauung der freien Fläche mit dem starken Gefälle ist keiner der Anwesenden. Einen großen Anteil an der Diskussion nimmt dabei Bernd Jellinghaus ein. Der Schatzmeister des Naturschutzbunds NABU pocht in seinem Beitrag aber nicht ausschließlich auf die ökologischen Faktoren der geplanten Bebauung. „Es wurde bei der Erstellung des Flächennutzungsplans einiges an den Bürgern vorbei eingestielt“, sagt Jellinghaus. Bereits vor Jahren wurde das stark gefällige Gelände als mögliches Neubaugebiet mit in den Plan aufgenommen, ohne dass es bislang realisiert wurde. „Umso wichtiger ist es nun, dass Sie ihren Standpunkt vertreten“, appellierte er an die Leute, sich gegen die Bebauungspläne zur Wehr zu setzen.

Denn der Flächennutzungsplan sei, so teilte Jellinghaus mit, von einem Berliner Planungsbüro erstellt worden. „Wir haben hier in der Umgebung auch Büros, die sich besser in der Region auskennen und mit den Gegebenheiten vertraut sind. Wieso muss dieser Plan also aus Berlin erstellt werden?“, fragte er. Applaus brandet auf.

Es werden aber auch andere Aspekte angesprochen. Das Gefälle beispielsweise, darauf verweisen alle Fraktionen und Institutionen, sei für eine Bebauung ungeeignet. 22 Meter beträgt der Höhenunterschied. Die Abwässer müssten hochgepumpt, um in den Kanal der Rüggeberger Straße geführt zu werden. Außerdem werde das gesteigerte Verkehrsaufkommen, so führt Olaf Schützek von der Bürgerinitiative auf, die ohnehin stark befahrene Straße weiter belasten.

Starkes Gefälle macht skeptisch

Keine der Fraktionen sprach sich explizit für die Bebauung aus. „Die Topographie lässt uns den Plänen eher skeptisch gegenüber stehen“, erläutert Thomas Braun den Standpunkt der FDP. Auch die Grünen sehen die Gegebenheiten nicht für die Pläne angemessen. Ähnlich sieht das Güzel Albayrak von der Fraktion der Linken. „Der Mensch braucht die Natur“, sagt Albayrak. Das Argument, gegen den demografischen Wandel mit Einfamilienhäuser zu agieren, hält er ebenfalls für nicht tragfähig. „Wir haben andere Möglichkeiten hier in der Stadt, es gibt genug Schrottimmobilien und Leerstand. Es fehlt an Kommunikation mit den Besitzern“, sagt Albayrak. „Die Stadt will hier Geld auf Kosten der Natur machen.“

Am Donnerstag,  8. November, tagt der Ausschuss für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung. Zwei Wochen vorher sollen die Unterlagen für die Bürger im Internet zugängig gemacht werden. „Da haben e noch einmal die Gelegenheit, sich Gehör zu verschaffen“, sagt Anita Schöneberg von der SPD in Richtung der Bebauungsgegner.

Text aus WR vom 22.10.2018 (Fabian Vogel).

 Bild aus WR vom 22.10.2018.